Wie können Baden-Württemberg und seine Unternehmen dazu beitragen, Europas technologische und industrielle Souveränität zu stärken?
Mit dieser Frage hat sich eine Delegation des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums bei einer zweitägigen Reise nach Polen beschäftigt. An der Reise zur internationalen Verteidigungsmesse MSPO in Kielce nahm auch Tayfun Tok, Sprecher für Industrie- und Standortpolitik der Grünen Landtagsfraktion, teil.
„Mir war auf der Reise besonders wichtig, auch die Verwendung des Sondervermögens der Bundesregierung zu betrachten und eine ehrliche Perspektive einzunehmen, welche Chancen für unsere heimische Wirtschaft tatsächlich in der Herstellung von Verteidigungsgütern liegen. Die Stückzahlen sind dort um einiges geringer als in unserer heimischen Automobilindustrie. Deshalb müssen wir hier eine sachliche Debatte führen“, ordnet Tayfun Tok die Eindrücke der Reise ein.
Im Mittelpunkt standen die sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit sowie neue Chancen für baden-württembergische Unternehmen. Polen investiert derzeit mit hoher Dynamik in seine Verteidigungsfähigkeit und baut gleichzeitig seine industriellen Kapazitäten aus. Für Baden-Württemberg ergeben sich daraus konkrete Möglichkeiten für Kooperationen, Technologietransfer und zusätzliche europäische Wertschöpfung.
Gerade die Verbindung von bestehenden industriellen Stärken mit neuen sicherheitsrelevanten Anwendungen bietet großes Potenzial. Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Sensorik, Robotik, Digitalisierung, Fahrzeugtechnik sowie Luft- und Raumfahrt sind Technologien, die sowohl zivil als auch im Sicherheitsbereich eingesetzt werden können. Davon können insbesondere mittelständische Unternehmen und Zulieferer profitieren, die ihre Kompetenzen für neue Märkte und Anwendungsfelder erschließen.
Auf der MSPO präsentierte sich Baden-Württemberg mit einem gemeinsamen THE LÄND-Firmengemeinschaftsstand, an dem 16 Unternehmen beteiligt waren. Gespräche mit Unternehmen, Politik und Forschungseinrichtungen boten Gelegenheit, internationale Kontakte zu vertiefen und konkrete Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.
Für Tayfun Tok zeigt die Reise, dass Wirtschafts- und Sicherheitspolitik zunehmend zusammengedacht werden müssen. Europas Handlungsfähigkeit hängt nicht nur von politischen Entscheidungen, sondern auch von industrieller Stärke, technologischer Kompetenz und resilienten Lieferketten ab. Baden-Württemberg kann dabei mit seiner breiten Industrielandschaft, seinem starken Mittelstand und seiner Forschungs- und Innovationskraft einen wichtigen Beitrag leisten.
Internationale Partnerschaften werden dabei immer wichtiger. Ziel muss es sein, technologische Souveränität in Europa zu stärken, Innovation zu fördern und gleichzeitig Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu sichern.